Frau M. war knapp 50, Alleinerzieherin, als sie völlig unerwartet arbeitslos wurde.
Sie, die sich jeder Herausforderung gestellt hatte, die sich nie für eine Arbeit zu schade gewesen war, die immer zugepackt hatte, wenn eine Kollegin mit ihren Aufgaben nicht zurecht kam, die nur dann auf die Uhr schaute, wenn sie ihre Tochter rechtzeitig vom Kindergarten oder von der Schule zu holen hatte, die nicht selten zuhause, in ihrer "Frei"zeit noch nacharbeitete. Sie wurde plötzlich nicht mehr gebraucht, hieß es, natürlich etwas schwulstiger umschrieben. Eine Umstrukturierung im Betrieb sollte Arbeitskosten einsparen.
Frau M. hat viele FreundInnen und durch gutes Zureden ihrer, sie optimistisch stimmen wollenden Bekannten - für eine wie dich findet sich sicher wieder was - erholte sie sich langsam vom Schock. Es brauchte allerdings einige Wochen, um wieder Bodenhaftung zu spüren. Eine tiefe Verunsicherung ist ihr geblieben.
Für ihre Qualifikation gab es am Arbeitsamt nur den Rat der Eigenbewerbungen und später dann die Frage: Haben Sie sich schon einmal überlegt, sich selbstständig zu machen? Nein, Frau M. hatte sich das noch nie zu überlegen brauchen, sie war es gewohnt, dass immer wieder unterschiedlichste Aufgaben an Sie herangetragen worden waren. Frau M. überlegte sich nun auch das, nahm ein entsprechendes Weiterqualifizierungsprogramm an und absolvierte es mit sehr gutem Erfolg. Aber wie ihre Kurskolleginnen musste sie nach einer Weile feststellen, dass auch diese Maßnahme samt dem ganzen Paket der über 30 Jahre gesammelten Berufserfahrungen aber so gar nichts mit den Stellenausschreibungen von heute zu tun haben und der Anspruch, das zuletzt erzielte Einkommen wieder zu erreichen, aussichtslos scheint.
Frau M. lebt seither prekär. Sie hofft, dass nicht ausgerechnet jetzt, die Waschmaschine oder die Therme eingehen, denn sie hat all ihre Reserven aufgebraucht. Mit anderen plant sie Projekte, die sie hoffentlich wieder - und sei es auch nur für einige Zeit - in ein Anstellungsverhältnis bringen. Über Angebote ihrer Bank zur privaten Pensionsvorsorge oder Pflegeversicherung kann sie nur den Kopf schütteln. Im Moment beschäftigt sie nur eins, dass sie ihrer Tochter die weitere Ausbildung ermöglichen kann und Monat für Monat irgendwie über die Runden kommt.
Weiterlesen: Kommentar
http://ich-lebe-prekaer.at/news/article.php?story=20070220105551968